Ich bin Pleite

Es ist recht widerwärtig geworden vom öffentlichen Leben beschallt zu werden. Die Bilder der Schönheiten und diese Anzüge mit ihrem Taktstock und Bedienungsanleitungen für mein Leben. Diese vom Zufall bedienten Klugscheißer pusten sich auf vor meinem löchrigen Kleid. „Geh Arbeiten“, muffelt´s immerzu. Ihr blöden saturierten Arschlöcher denk ich mir. Und wenn der dann noch sächselt, so ein Saubermannkader, vollkommen in der Arbeitswelt erfolgreich, und sein Schweiß der richt so eingekauft und stolz. Hippis, wo haben wir geschlafen. Ein bisschen Paradies hatten wir doch noch vor kurzem. Irgendwie dachte ich, ok man lässt dir leben und die Staatsknete, na ja, immerhin ohne blöde Kommentare. Ich hab schon viel falsch gemacht im Leben, mein größter Fehler war dann doch auf diese Geschäftsidee reinzufallen. Ich meine diese Sonntagsanzüge von der SPD. Agenda, hört sich gut an. Ich hab ja schon viel Müll gekauft, schön beschriebenen. Weg ist die schöne alte D-mark. Der Euro stinkt eben anders, unintensiv. Jobcenter, Arbeitsagentur, Sicherheitskräfte, lange Schlangen, Sachbearbeiter, Broschüren, Internet und zwei Fäuste in der Tasche. Herr, mein Name spielt hier keine Rolle. „ Sie dürfen an einer Maßnahme teilnehmen, sie bekommen Arbeit, eine richtige Aufgabe. Morgen sechs Uhr in der Früh. Südgelände. Amer e. V..

Sie werden an einem ökologischen Projekt arbeiten. Viel Erfolg. Auf Wiedersehen.“

Südgelände, eine trostlose Gegend. Hallen, Mauern, Zäune, Leere. Dann seh ich ihn schon von weitem, so ein glücklicher Frühaufsteher. Unsympathisch. Heute drückt er ein Auge zu, eine Abmahnung und dann kann ich zuhause bleiben. Zuspätkommer taugen nichts. „Diese Abfallhaufen sortieren Sie in diese Container. Einer für Holz, einer für Steine und einer für den Restmüll. Fangen Sie schon mal an. Arbeitsgeräte bekommen Sie demnächst. Ihr fünf hier, macht das. Neun ist Pause. Die andern kommen mit.“

Da stand ich nun mit Edith, Horst, Mani und Dirk. Horst und Dirk gehen erst mal eine rauchen. Mani kuckt sich die Container an. Ich schau mir die Edith an und denk mir so, wär doch schön mit dir woanders. Aber Edith war dooooffff. Ich habe sie dann noch mal im Krankenhaus besucht. Der rostige Nagel war auch noch kontamminiert. So viel Hoffnung hatte Sie, endlich Arbeit. Ich dachte nur, diese Drecksarbeit hätte ein Bagger in einer Stunde erledigt. Jetzt liegt hier ein Fuß, mir wurde ganz flau im Magen bei dem Anblick. Wir waren dann auch in der Zeitung, der Bürgermeister konnte arbeiten, es war sein Verein. Mein Sachbearbeiter war Krank. Die Arbeitsagentur kündigte die Verträge. Drei Arbeitsunfälle, 12 Krankschreibungen und am dritten Tag sprach mal die Presse über skandalöse Vorfälle, dem Bürgermeister und seine Wiederwahl. In diesem Monat gab es 20 Euro mehr vom Amt.

Ich hab ja ein paar gute Kumpels. Meine gute Mamma ist schon lange tot. Richtig schön viel Bier und etliche Beruhigungsjoints und beste satirische Laune hat sich entwickelt. Der Egon hat so einen verrückten Künstler mitgebracht. Der hat so allerhand Späße erzählt vom Arbeitsamt. Am Morgen haben wir auch einen unternommen. Die 20 Euro waren mir zu wieder, weil ich den Fuß von der Edith nicht vergessen konnte. Ich wollt ihn verbrennen, ich rauch ja nicht mehr, weit und breit kein Feuerzeug mehr zu finden und so landete der 20 Euroschein am Haupteingang zur Arbeitsagentur. Wie lange der im Nachttopf schwamm, in unserer Pisse, hat uns dann nicht mehr interessiert.

Es ist nicht sonderlich originell, aber bei jedem Agenturbesuch versteck ich einen Harzer im Gebäude. Kinderkram, ich weiß. Demonstrieren liegt mir nicht, überhaupt Politik interessiert mich Null. Einen Ehrgeiz hab ich alter Knochen aber noch gewonnen, letztens bei unserer entspannten Sauftour. Im Sommer geh ich spazieren ganz viel, draußen vor der Stadt und halt mich fit. Im Winter studier ich in der Bibliothek, Heizgeld sparen. Ich werde ein kleines Büchlein schreiben, so richtig mit Fremdwörtern und so kompliziertes Zeug, so ganz einfach. Der Titel schwebt mir schon im Kopf. Gerhard Schröder. Der Mobingkanzler und Verräter am einfachen Volk. Es geht mir ja nicht mehr so gut, gesundheitlich, alles so trostlos in meiner Gegend. Keine Frau. Fürs Leben hat auch nie funktioniert, einer lief immer weg. Aber dir Gerhard Schröder pisse ich aufs Grab, bis zur Verhaftung. Aus der Gerichtsverhandlung mach ich eine Performance. Das hab ich vom Künstler. Das wird alles geplant. Ich mach Urinkunst. Ich hoffe ich hab euch nicht gelangweilt mit meiner Geschichte. Ich bin immer noch ein Angsthase, darum will ich meinen Namen nicht nennen. Schade ich hätte ja gerne mal was gewonnen. Ich war ja mal SPD Fan, aber ich kann diese Abnicker nicht mehr ausstehen, die werden mir verhasst. Sollte ich etwas gewinnen, so gebt es dem Schreiner, für den heg ich noch Sympathie. Euer Ulli

Rainer Wieczorek Mai 2007